Preisträger des Autorenwettbewerbs

Preisträger 2016

Im Rahmen des Festivals „Kaas & Kappes“ wurden am Sonntag, 21.02.2016, im Duisburger Kinder- und Jugendtheater KOM’MA die Preisträger des 18. niederländisch-deutschen Kinder- und Jugenddramatikerpreises bekannt gegeben.

Der Kulturdezernent der Stadt Duisburg – Thomas Krützberg - überreichte die Preise im Gesamtwert von 7.500 EUR für zwei Theaterstücke.

Von den 108 Texten, die in diesem Jahr aus sechs verschiedenen Ländern (Deutschland (76), den Niederlanden (12), Belgien (5), Österreich (10), der Schweiz (4), und Polen (1) ) am Wettbewerb teilnahmen, wählte die vierköpfige Jury, bestehend aus Silvia Andringa (NL), Renate Frisch (D), Rob Vriens (NL) und Till Beckmann (D), folgende Preisträger aus:

 

Anna Carlier (B)  für das Stück  „KRUIN“  € 3.750
 

Daniel Ratthei (D)  für das Stück  „Jihad Baby!“  € 3.750


Neben den Preisträgern empfiehlt die Jury folgende Texte und hat sie in den Stückepool aufgenommen: 

 

Jens Raschke  (D)  mit dem Stück  „Ich bin Kain“

Ute Bierbaum (D)  mit dem Stück  „HASEN-BLUES.STOP.

Dimitri Verhulst  (B)  mit dem Stück  „KONIJN MET PRUIMEN“

Michael Alexander Müller  (D)  mit dem Stück  „PRINZENPACK“

 

Ad de Bont  mit dem Stück  „Lügen“

Reineke van Hooreweghe (B)  mit dem Stück  „GROTE HOOFDEN KLEINE HAARTJES“

 

Heleen Verburg  (NL)  mit dem Stück  „Higher Selfie"

 

Eva Rottmann (D)  mit dem Stück  “POCAHONTAS (Show must go on)“

 

Thilo Reffert (D)  mit dem Stück  “Ronny von Welt”

 

Martin Baltscheit (D)  mit dem Stück  “Keine Party für den Tiger”

Sergej Gößner (D)  mit dem Stück  „MONGOS“

  

Informationen über die Jurymitglieder 2016:

SilviA Andringa (NL) – Regisseurin - Amsterdam

Renate Frisch (D) – Mitbegründerin des KOM’MA-Theaters, Regisseurin - Duisburg

Rob Vriens (NL) – Freier Regisseur, u.a. Theaterhaus Frankfurt

Till Beckmann (D) – Autor und Schauspieler - Bochum

 

Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an die Festivalleitung (Helmuth Hensen), Tel.: 0203.283-8485 oder –8486, info@kaasundkappes.de

hier die Begründungen der Jury:

 

Kruin             von Anna Carlier (B)

 

Bos, Fep, Lis, Rak und Drop sind Kinder. Sie haben es gut. Sie wohnen in ihrem Kinderdorf mit Rosensträuchern und spielen jeden Tag ‘Heute’. Sie tummeln sich, rennen, spielen, essen, bauen was auf und machen es wieder kaputt und das alles, ohne einander zu beurteilen oder an morgen zu denken. Lis erzählt ihre Träume, Fep kümmert sich um irgendwas, Rak rennt in den Regen, Drop ist immer Letzter und Bos baut im Dorf einen Turm, um über die Bäume hinweg und zu den Wolken hoch gucken zu können. Damit haben sie gute Aussichten.

Dann taucht plötzlich und unerwartet eine neue Figur auf: der ‘unfassbare Mann’, der doppelt so groß ist wie die Kinder. Dieser Mann hat einen Koffer dabei voller wichtiger Aussagen und komplizierter Worte. Seine Sprache und seine Erscheinung wirken wie ein grober Überfall. Er kontrolliert, warnt und spricht in konstruierten Sätzen mit unverständlichem und raumgreifendem Inhalt. Er stellt sein Zelt mitten im Dorf auf, um die Kinder beobachten zu können. Eine Aneinanderreihung von  Warnungen und Beschwörungen von Gefahren über alles, was ‘schief laufen kann in der Zukunft’, dringt in die paradiesische Welt der Kinder ein. Der Mann sagt: “Da ist immer mehr. Du musst weiter schauen. Die Welt hält nicht an bei den Spitzen der Bäume.”

Das Spiel der Kinder ist zerstört und sie verstehen einander nicht mehr wie vorher. Verwirrung, Ärger und Sorgen über Morgen werden Teil ihres Alltags. Rak rebelliert und rennt davon. Das hat er noch nie gemacht. Dann verschwindet der Mann und hinterlässt einen leeren Koffer. Die Kinder suchen Rak. Als sie ihn gefunden haben, beschließen sie, dass sie nicht anders können als weitermachen wie zuvor. Und einfach mal zu schauen,  wohin das führt.

Kruin nimmt dich mit in eine Kinderwelt, die bei kleinen und großen Zuschauern eine Sehnsucht erwecken wird mitzumachen. Die Dialoge sind rhythmisch, musikalisch, voller Wortwitz und Gedankenspinnerei. Das Stück hat eine  sehr eigene augenscheinlich einfache Sprache und ist geschrieben mit Leichtigkeit und Humor.

Dennoch ist es ein tiefsinniger Text über den Spaß des freien Spiels und über das immer ‘im Hier und Jetzt Sein’, wie es Kindern möglich ist, wenn die Erwachsenen sich heraushalten. Für Kinder bietet Kruin viel Wiedererkennbares und Raum für  Assoziation. Für Erwachsene reflektiert das Stück das Verhältnis zu den eigenen Erinnerungen, den Prozess des Zusammenlebens und die Art des Nachvorneschauens.

Kruin lässt dich laut lachen und hat einen angenehm anarchistischen Ton. Ein überraschender Text von einer sehr jungen Autorin, die ein Universum schafft, in dem wir die Welt, die wir kennen, mit anderen Augen anschauen können.

Bos, Fep, Lis, Rak en Drop zijn vijf kinderen. Zij hebben het goed samen. Ze wonen in hun kinderdorp met rozenstruiken en spelen elke dag ‘vandaag’. De kinderen bouwen, rennen, spelen, eten, rommelen, tuigen op, breken af en doen dat zonder elkaar te beoordelen of bezig te zijn met de dag van morgen. Lis vertelt van haar dromen, Fep verzorgt, Rak rent voor de regen, Drop is meestal de laatste en Bos bouwt in het dorp een toren om de kruinen van de bomen en de wolken daarboven te kunnen zien. Daarmee hebben zij uitzicht genoeg.

Dan duikt er onverwacht een geheel nieuwe figuur op. De onbegrijpelijke man, die dubbel zo lang is als de kinderen. Deze man heeft een koffer vol belangrijke bepalingen en moeilijke woorden bij zich en zijn taal en verschijning zijn als een ruwe overval. Hij komt controleren, waarschuwen en spreekt in geconstrueerde zinnen met een onbegrijpelijke en verontrustende inhoud. De onbegrijpelijke man zet een tent op in het midden van het dorp om de kinderen in het oog te kunnen houden. Een stroom aan waarschuwingen, bepalingen en gevaren over ‘wat er allemaal onduidelijk geregeld is en in de toekomst mis kan gaan’, dringt de paradijselijke wereld van de kinderen binnen. De man zegt: “Er is altijd meer. Je moet verder kijken. De wereld stopt niet aan de kruinen.”

Het spel van de kinderen is verstoord en zij begrijpen elkaar niet meer als voorheen. Verwarring, ergernis en zorgen over morgen worden deel van vandaag. Rak komt in opstand en rent weg. In de nacht. Dat heeft hij nog nooit gedaan. De man verdwijnt en laat alleen een lege koffer achter. De kinderen besluiten Rak te zoeken door net als hij te rennen voor de regen. Als Rak weer gevonden is, besluiten zij dat ze niet anders kunnen doen dan ‘verder gaan’. En maar zien waar ze uitkomen.

Kruin neemt je mee in een kinderwereld, die veel kleine en grote toeschouwers zal doen verlangen om er deel van uit te maken. Het heeft een hele eigen, ogenschijnlijk eenvoudige taal en is met veel lichtheid en humor geschreven. De dialogen zijn ritmisch, muzikaal en zitten vol woordgrappen en gedachtenspinsels.

Een gelaagde tekst over het plezier van vrijuit spelen en ‘in het hier en nu zijn’, zoals kinderen dat kunnen wanneer de volwassenen zich er buiten houden. Voor een kinderpubliek is Kruin herkenbaar en zal veel ruimte bieden voor associatie. Voor een volwassenpubliek reflecteert het stuk op de verhouding met diezelfde associatieve kinderwereld van ‘het hier en nu’ en de eigen ervaringen in het ingewikkelde proces van samenleven en vooruitkijken.

Kruin doet je als lezer hardop lachen en er zit een vrolijke en licht anarchistische kern in verborgen. Een verrassende tekst van een jonge schrijfster die een universum weet te scheppen waarin we de wereld zoals wij die kennen, met andere ogen gaan bekijken en bevragen.

Jihad Baby!              von Daniel Ratthei (D)

Einer dieser Glückstreffer! Man sieht zuerst: „ Ein Monologstück für Jugendliche“ im Untertitel , zählt: 55 Seiten!  Und denkt: „ Oh, nein! Bitte nicht!!!!“ Aber sobald man angefangen hat zu lesen, möchte man es nicht mehr aus der Hand legen! „Assalaamu a’leikum! Friede sei mit euch!!....Und der selige Kreis des Friedens, der Liebe, der Verbundenheit leuchtet zur selben Stunde!“ Mit einer wundervollen Friedensbotschaft, die zeitgemäß per Videopost an unseren Protagonisten geht, beginnt dieser Überraschungstext. An Jona, den 16jährigen Schüler einer deutschen Gesamtschule, der von dem „Mainstreamscheiß“ seiner Eltern und Lehrer und den „gehirngewaschenen Verdummungsstorys“ der Medien die Schnauze voll hat und sich stattdessen von den coolen Moslems beeindrucken lässt, die sich nicht unterkriegen lassen und sich wehren! Und alle haben Schiss vor denen! Das imponiert Jona! Davor hat er Respekt.

Die deutsche Realität  dagegen wird für ihn repräsentiert  durch die „Alkies, Junkies, Penner, Harz4-Mütter und dem vollkommen deformierten Rest“, den er hinter dem Bahnhof antrifft:  „Volltrottel, nix in der Birne, nix im Portemonnaie. Aber hetzen gegen Männer mit Bart!“ Neben dem Bahnhof ist der Drogen-Park mit dem Babystrich, die „Tussen“ nicht älter als Jona. In all dem Elend erscheint ihm die Fatih-Moschee als „Insel der Rettung“. Von Musa, seinem arabischen Klassenkameraden und dessen Brüdern fühlt er sich nämlich mit Respekt behandelt. Und dass der ihn ständig auffordert zu konvertieren ( „Ey Alter, du bist ein Muslim, Mann, das sehe ich!“), das schmeichelt ihm. Die Kopftücher der Mädels findet er hübsch, die Bärte findet er cool. Obwohl, da gibt es noch ein kleines Problem: Sein Bart will noch nicht so recht wachsen, oder, wie er es ausdrückt: „Sein Bartwuchs hat ‘ne Religionsphobie…!“

Mit dem Pragmatismus seiner Generation und entwaffnender Komik betrachtet Jona seine Lebensumstände und gibt uns einen ungeschminkten Einblick in sein Innenleben. Von außen ist leicht zu analysieren: unvoreingenommen und schutzlos ist dieser Junge den  Botschaften der Verführer genauso ausgeliefert wie einem attraktiven Drogentrip. Spannend wird die Geschichte, als er in zugedröhntem Zustand die Tochter seines Lehrers kennenlernt und sich Hals über Kopf in sie verliebt! Ab jetzt versucht er verzweifelt seine Konvertierungspläne mit seinen Liebesphantasien in Einklang zu bringen. Wie verhängnisvoll sich Jonas Kontakte zur Islamistenszene zuspitzen, sieht der Zuschauer spätestens, als er im Auftrag von Kreshnik, (von dem die Jungs ehrfürchtig munkeln, dass „der schon in Syrien war!“), ein Nachtsichtgerät aus einem Waffenladen besorgen soll. Ihm ist dabei sehr mulmig, er bräuchte einen Berater, aber wem soll er sich anvertrauen? Und so rutscht er auf die schiefe Bahn…..

„Jihad Baby!“ bezieht beherzt Stellung zu dem Thema unserer Zeit.  Es ist ein gleichermaßen komisches wie ergreifendes Plädoyer dafür, Jugendliche ernst zu nehmen und achtsam zu begleiten. Es zeichnet sich durch glaubhafte Nähe und empathische Kenntnis des aktuellen jugendlichen Zeitgeistes aus und unterhält trotz kluger unterschwelliger Aufklärung sein junges Publikum aufs Beste.

Preisträger 2015

Im Rahmen des Festivals „Kaas & Kappes“ wurden heute, am 22.02.2015, im Duisburger Kinder- und Jugendtheater KOM’MA die Preisträger des 17. niederländisch-deutschen Kinder- und Jugenddramatikerpreises bekannt gegeben.

Der Oberbürgermeister der Stadt Duisburg, Herr Sören Link, überreichte die Preise im Gesamtwert von 7.500 EUR für drei Theaterstücke. 

Von den 123 Texten, die in diesem Jahr aus sechs verschiedenen Ländern (Deutschland (96), den Niederlanden (6), Belgien (8), Österreich (10), der Schweiz (2) und Luxemburg (1) ) eingesandt wurden, wählte die vierköpfige Jury, bestehend aus Chiara Tissen (NL), Renate Frisch (D), Rob Vriens (NL) und Till Beckmann (D), folgende Preisträger aus:

Herman van de Wijdeven (B)  für das Stück  „Billy de Kid“  € 3.000

Jan Sobrie und Raven Ruëll (B)  für das Stück  „BEKDICHTZITSTIL“  (dt.: “HALTSMAULSITZ”)  € 2.500

Maja Das Gupta (D)  für das Stück  „DIE DÜNNE DICKE FRAU“  € 2.000

Neben den Preisträgern empfiehlt die Jury folgende Texte und hat sie in den Stückepool aufgenommen: 

Moniek Merkx  (NL)  mit dem Stück  „Het verhaal van de getallen“  (dt: „Die Geschichte von den Zahlen“)

Tilla Lingenberg  (D)  mit dem Stück  „Die Sache mit Luk“ 

Henriette Dushe  (D)  mit dem Stück  „VON DER LANGEN REISE AUF EINER HEUTE ÜBERHAUPT NICHT MEHR WEITEN STRECKE“

Helmuth Hensen  (D)  mit dem Stück  „Fünfer Raus“

 

Freek Mariën (B)  mit dem Stück  „Wachten en andere heldendaden“

Anita Hansemann  (CH)  mit dem Stück  „Glut“

Informationen über die Jurymitglieder 2015:

Chiara Tissen (NL) – Autorin, Schauspielerin und Deutschlehrerin (Amsterdam)

Renate Frisch (D) – Mitbegründerin des KOM'MA-Theaters und Regisseurin (Duisburg)

Rob Vriens (NL) – Freier Regisseur, u.a. Theaterhaus-Ensemble Frankfurt (Amsterdam)

Till Beckmann (D) – Autor und Schauspieler  (Bochum)

 

Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an die Festivalleitung (Helmuth Hensen), Tel.: 0203.283-8485 oder –8486, info@kaasundkappes.de

hier die Begründungen der Jury:

 

Billy the Kid von Herman van de Wijdeven

Der junge „Billy the Kid“ hat im langweiligen flämischen Dorf Zoetwater (Süsswasser) eine Bank überfallen und das Mädchen Lucy als Geisel genommen. Lucy ist froh, dass endlich mal was passiert in ihrem Dorf und sie hofft auf eine echte Wildwest- Geschichte. Die Forderung von Billy  ist einfach: Er will sich mit Erp, dem Sheriff des Dorfes duellieren.  Im Verlauf des folgenden Streites entpuppen sich Erps schmutzige Pläne, denn der hat es auf Billys Mutter abgesehen und will unter dem Vorwand  der Gerechtigkeit Billy, deren lästigen Sohn loswerden. Erps Absichten werden entlarvt und es stellt sich heraus, dass die Mutter auch nur ein Mensch ist. Unter dem von Billy vorgegaukelten Heldenmut gärt in Wahrheit sein Kummer über den Verlust seines Vaters, der die Familie sitzen gelassen hat. Lucy, das naseweise Mädel, das alles haarklein wissen will, gibt Erp letztendlich den Gnadenstoß, und er bekommt am Ende, was er verdient.

In einer klaren, sehr bildhaften Sprache skizziert  Herman van de Wijdeven die Wut und den Kummer eines Jungens, dessen Eltern geschieden sind.  In diesem im konsequent ironischen Stil geschriebenen Stück sind die Szenen und Dialoge scharf und witzig. Die Personen sind keine Helden, sondern Menschen aus Fleisch und Blut, die dem Leben humorvoll und nüchtern, aber nicht ohne Eigennutz entgegentreten. Die Mutter möchte eigentlich lieber eine Tochter haben, und sie will, dass die Leere in ihrem Bett wieder gefüllt wird. Der Sheriff hasst Kinder und sucht eine Frau, die ihm seine Socken wäscht, und Lucy will absolut nichts verpassen. Und Billy.  Billy sagt letztendlich über seinen Vater: ich verstehe es nicht, Mutti, ich bin ihm so böse, so wütend und trotzdem vermiss ich ihn.

De jonge Billy de Kid heeft in het doodsaaie vlaamse dorpje Zoetwater een bank overvallen. Daar houdt hij het meisje Lucy gegijzeld. Lucy is blij dat er eindelijk iets gebeurt  en hoopt op een echt wildwest verhaal. De eis van Billy de Kid is eenvoudig: hij wil een duel met Erp, de sherrif van het dorp.  In plaats daarvan krijgt hij een inkijkje in diens voze plannen om Billy’s moeder voor zich in te palmen. Een strijd tussen de twee cowboys volgt, waarin Erp ontmaskert wordt en de moeder ook maar een mens blijkt te zijn. Onder al deze heldhaftigheden kolkt het verdriet van Billy over het vertrek en het verlies van zijn vader. De tomeloos nieuwsgierige Lucy, die alles bij iedereen los weet te peuteren, zorgt uiteindelijk voor de genadestoot, waarbij Erp als de enige echte slechterik de klappen krijgt.

In heldere en zeer beeldende taal schetst Herman van de Wijdeven ons de woede en het verdriet van een jongen, wiens ouders gescheiden zijn.  In dit in een consequente ironische stijl geschreven stuk zijn de scenes en de dialogen scherp en grappig. De personages zijn geen helden, maar mensen van vlees en bloed, die het leven niet zonder eigenbelang  maar met nuchterheid en humor tegemoet treden. De moeder wil eigenlijk een dochter en ze wil dat de kuil in het matras naast haar wordt opgevuld, de sheriff haat kinderen en zoekt een vrouw die z’n sokken wast en Lucy wil niets missen van al wat er gebeurt. En Billy… Billy zegt uiteindelijk over zijn vader: ik versta het niet, mama, ik ben zo kwaad op hem, zo kokend kwaad en toch mis ik hem.

BEKDICHTZITSTIL: (deutsch: HALTSMAULSITZ) von Raven Ruëll und Jan Sobrie

 

Wir sehen drei Problemkinder, die zusammen in einer Problemklasse voll mit Problemfällen sitzen. Die Erwachsenen und Erzieher um die drei herum schauen sie immer mit Argwohn an. Ein Text wie Mitrailleurfeuer, der an keiner Stelle ermattet. Es ist dynamisch, voll und viel.

Haltsmaulsitz ist die Geschichte von Kraft und bedingungsloser Freundschaft. Die Kinder sind heftig und schön zugleich und ihre Geschichte ist rührend geschrieben. Der Text geht schnell unter die Haut und lässt dich nicht entwischen. 

Vorgegeben ist eine leere Fläche mit 3 Laternen. Sie beherbergt  die eigene chaotische Welt der Protagonisten. Chaos neben Stille. Feuer neben Eis. Sie füllen den Raum mit ihrem Geschrei und Sperrfeuer an Worten. Die drei, Damien, Francois und Rebecca saugen, schreien spucken ihre unangepassten Worte heraus, weil sie nicht anders können. Wer kann sie bezwingen? Müssen sie bezwungen werden? Unsere Antwort ist Nein. Die intensive Freundschaft bindet sie wie Eisen zusammen. Sie haben vieles erlitten, aber es gelingt ihnen, stolz und aufrecht zu bleiben. Sie fallen immer wieder, aber weil sie einander haben, und sich selbst, stehen sie auch immer wieder auf.

Hinter jedem unangepassten Benehmen liegt eine Welt an bitteren Erfahrungen. Der Text, den Regisseur Raven Ruëll in Zusammenarbeit mit Autor und Schauspieler Jan Sobrie geschrieben hat, wirkt äußerst persönlich und ist in seiner Kraft enorm ergreifend. 

Wie unangepasst du auch bist, überleben tust du nur, wenn du Vertrauen in dich selbst hast. Nur dann bleibst du aufrecht.

We zien drie probleemkinderen die samen in een probleemklas vol probleemgevallen zitten.  Door de volwassenen en begeleiders om hen heen immer argwanend bekeken. Een tekst die begint als een mitrailleurvuur en niet stil gaat liggen.

Bekdichtzitstil is een verhaal over de kracht van onvoorwaardelijke vriendschap. Het is heftig, mooi en ontroerend geschreven. De tekst gaat onder de huid zitten.

De drie spelen op een schuine lege vloer die hun chaotische wereld verbeeldt. Chaos uit stilte. Ruimte vanuit een spervuur aan woorden. De drie, Damien, Francois en Rebecca zuigen, tieren, spuwen hun ongemakkelijke woorden en onderwerpen genadeloos naar buiten. Wie houdt hen tegen? Het is een intense vriendschap van drie kinderen die het nodige meemaken/meegemaakt hebben, maar boven alles fier overeind blijven. Ze vallen hard, maar dankzij elkaar en zichzelf staan ze ook elke keer weer op.

De een is druk en wild, de ander gewelddadig en de derde minderbegaafd. Ze praten altijd. Te hard. Of te veel. Het zijn stuk voor stuk ‘moeilijke kinderen, maar in hun ruwheid en onbeholpenheid zijn ze menselijk, sterk, waarachtig, ontroerend en aandoenlijk. We zien een heel bataljon aan begripvolle therapeuten, egocentrische achterbakse farmaceuten, zenuwachtige schooldirecteuren en radeloze ouders de revue passeren. Bekdichtzitstil behandelt een veel besproken maar liefst verzwegen onderwerp vanuit de essentie. Het stuk brengt ‘moeilijk en onaangepast zijn’ terug tot een ruwe en aangrijpende essentie.

Achter elk onaangepast gedrag gaat een schrijnend verleden schuil. De tekst die regisseur Raven Ruëll in samenwerking met schrijver/acteur Jan Sobrie schreef is daarmee een persoonlijk pamflet en in zijn kracht ongelofelijk aangrijpend.

Hoe onaangepast je ook bent, overleven doe je met een rotsvast vertrouwen in jezelf, alleen dan blijf je overeind.

DIE DÜNNE DICKE FRAU von Maja Das Gupta

Schon im Titel wittert man Diskriminierung. Darf man das überhaupt sagen: „Die dicke Frau“? Oder ist das schon despektierlich, unhöflich, unpassend? Das Stück lässt seine Protagonisten unerschrocken mit unserer zwanghaften Angst spielen, immer und unter allen Umständen politisch korrekt sein zu wollen,  und befreit damit von einer überflüssigen Form, um der Klarheit des Inhalts willen. Es nimmt mit seiner amüsanten Geschichte deutlich Partei für die Schwächsten, die Opfer von komplizierten Verhältnissen werden.

Mitjas Mutter ist mit Miras Vater für ein Liebes-Wochenende nach Mallorca gefahren und hat den behinderten Jungen in der Obhut der minderjährigen Lisa gelassen. Durch Zufall kommt das raus und damit drohen den pflichtvergessenen Eltern Schwierigkeiten mit dem Jugendamt! Bis sie wieder da sind, wird den Kindern eine Fürsorgerin in die Wohnung gesetzt, an deren massiver Präsenz sich nun die große Schwester abarbeitet. Denn die Frau ist „eine fette Kuh“ und hat nach Lisas Ansicht in ihrem Zuhause nichts verloren. Die dicke Frau, die sich zudem noch 5 mal am Tag zum Beten zurückziehen muss, (obwohl sie gar kein Kopftuch trägt!), nimmt den Widerstand der ihr Anbefohlenen gelassen in Kauf und tut ihr Bestes. Kompliziert wird die Sache erst, als Mitja und Mira auf eigene Faust nach Mallorca wollen, um ihre Eltern dort zu suchen….Fast gerät in dieser turbulenten, mit viel Humor erzählten Geschichte ganz aus dem Blickfeld, worum es doch auch maßgeblich am Ende geht, nämlich die Tatsache, dass die vermeintliche große Schwester Lisa selbst ein Flüchtlingskind ist, dessen Aufenthaltsstatus noch gar nicht geklärt ist, und dem die Abschiebung droht.

 „Zuviel Probleme auf einmal!“ könnte man bei oberflächlicher Betrachtung  befürchten, und das hätte bei dem vorliegenden Plot auch ausarten können, wenn die Autorin nicht meisterhaft in der Lage wäre, mit kleiner Geste die jeweils wichtigen Umstände nach vorne zu schieben: Es geht um das Wohl der Kinder und darum, sie in ihrer subjektiven Einschätzung ihrer Wirklichkeit ernst zu nehmen. Wenn deren Intuition stimmt, dann werden die Formalitäten und Statusbeschreibungen der Erwachsenen unwichtig und die scheinbar ach so komplizierten Verhältnisse werden sonnenklar.

In einer dichten Sprache, mit herzerhebenden Dialogen und  stimmigen, die Sinne stimulierenden Bildern wird das Verhältnis von "Dick und Dünn" beleuchtet, einfühlsam und eindringlich. Und doch versteht man nicht alles. Das Thema ist nicht erledigt und das ist auch gut so. Es zeichnet gute Stücke aus, dass sich nicht zu leicht mit ihnen fertig werden lässt.

Preisträger 2014

Der Kulturdezernent der Stadt Duisburg, Herr Thomas Krützberg, überreichte die Preise im Gesamtwert von 7.500 EUR für zwei Theaterstücke. 

Von den 108 Texten, die in diesem Jahr aus sechs verschiedenen Ländern (Deutschland (63), den Niederlanden (16), Belgien (6), Österreich (19), der Schweiz (2), Luxemburg (1) und Italien (1) ) eingesandt wurden, wählte die vierköpfige Jury, bestehend aus Silvia Andringa (NL), Renate Frisch (D), Rob Vriens (NL) und Till Beckmann (D), folgende Preisträger aus:

Jens Raschke (D)  für das Stück „Was das Nashorn sah, als es auf die andere Seite des Zauns schaute“   € 4.500

Adam Roel  (NL)  für das Stück:  "Mensenvlees"   (dt.: “Menschenfleisch”)  gespielt durch die Toneelmakerij unter dem Titel "Verkocht" (dt: "Verkauft")  € 3.000

Neben den Preisträgern empfiehlt die Jury folgende Texte und hat sie in den Stückepool aufgenommen: 

Sofie Tseng  (NL)  mit dem Stück  „Andermansplantjes“ (dt.: "Jedermannspflänzchen")

Karen Köhler  (D)  mit dem Stück  „Deine Helden - meine Träume“ 

Jacob Nolte und Michel Decar  (D)  mit dem Stück  „Das Tierreich" 

Christian Schönfelder und Georg Ringsgwandl  (D)  mit dem Stück  „Mein Bruder, der Räuber Kneißl“ 

Dirk Kurbjuweit und Petra Wüllenweber  (D)  mit dem Stück  „Zweier ohne“ 

 

Daniela Dröscher  (D)  mit dem Stück  „Alle, die uns kennen“

Ludger Haumann  (D)  mit dem Stück  „Amok“

Floris van Delft und Wolter Muller  (NL)  mit dem Stück  „Cash“

Ruth Johanna Benrath  (D)  mit dem Stück  „Ich Gülsum du Häschen"

Alice Quadflieg (D)  mit dem Stück  „Stadt Land Baum"

Informationen über die Jurymitglieder 2014:

Silvia Andringa (NL) – Freie Regisseuerin, künstl. Leitung des Festivals „Halbstark“ in Münster

Renate Frisch (D) – Mitbegründerin des KOM'MA-Theaters und Regisseurin

Rob Vriens (NL) – Freier Regisseur, u.a. Theaterhaus-Ensemble Frankfurt

Till Beckmann (D) – Autor und Schauspieler

 

Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an die Festivalleitung (Helmuth Hensen), Tel.: 0203.283-8485 oder –8486, info@kaasundkappes.de

hier die Begründungen der Jury:

 

Was das Nashorn sah, als es auf die andere Seite des Zaunes schaute           von Jens Raschke

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